Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Jüdischer Fußball

„Identität trotzt Isolation. Jüdischer Sport im Nationalsozialismus und heute“  

Jüdischer Fußball? Was ist das? Gelten da andere Regeln? Das waren Fragen, die Studierende stellten, als wir Werbung für die Veranstaltung zu jüdischem Fußball machten. Die aufregende und zugleich bedrückende Antwort bekamen wir als Schule-ohne-Rassismus-AG auf der Veranstaltung der Schalker Fan-Initiative und des FC Schalke 04 am 28.1.2026 in der Flora.

Am Beispiel von Paul Eichengrün zeigte Thomas Spiegel vom Team Tradition des FC Schalke 04, wie groß die Rolle von Juden beim Aufbau des deutschen Fußballs war. Eichengrün wurde 1932 zum zweiten Vorsitzenden des FC Schalke 04 gewählt und nahm die Wahl mit den Worten „Alles für Schalke“ an. 1933 kam dann in Deutschland die NSDAP an die Macht, deren Kampforganisation SA unter dem Slogan „Alles für Deutschland“ prügelte und mordete. Unter dem Druck der Nazis trat Eichengründ von seinem Amt zurück. So wollte er Schaden von seinem Verein abwenden, dem er weiter mit ganzem Herzen verbunden blieb. Heute ist der Slogan der NSDAP verboten, während der von Eichengrün als Aufkleber in Gelsenkirchen verbreitet wird.

Dr. Henry Wahlig vom Deutschen Fußballmuseum gab anschließend einen lebendigen Einblick in die Geschichte der jüdischen Sportbewegung. Diese seien als Reaktion auf den Antisemitismus deutschnationaler Sportvereine entstanden. Das seien im frühen 20. Jahrhundert vor allem Turnvereine gewesen, die oft dem Vorbild von „Turnvater Jahn“ (eigentlich Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn) gefolgt seien, der ein starker Nationalist und mindestens latent antisemitisch gewesen sei.

Fußball hingegen sei eine neue Sportart gewesen, die vor allem von England nach Deutschland kam. Im Jahr 1898 wurde in Berlin der erste Jüdische Turn- und Sportverein Bar Kochba gegründet, 1903 Makkabi Deutschland als Dachverband und 1923 der FC Maccabi Düsseldorf. Und so boomte in der Zeit der Weimarer Republik bis 1933 der jüdische Fußball und machte diese Sportart groß. Unter den Nationalsozialisten wurde diese Tradition brutal unterbrochen. Aber nach der Befreiung 1945 lebte der Fußball wieder auf. So begannen Juden in den Displaced-Person-Camps, in denen wohnungslose Überlebende in den ersten Jahren nach 1945 untergebracht wurden, Vereine zu gründen.

Wie die Geschichte des jüdischen Fußballs in Deutschland weiterging, beschrieb uns deren prominentester Vertreter Alon Meyer, Präsident des jüdischen Sportbunds Makkabi Deutschland und von TuS Makkabi Frankfurt. Er beschrieb eindrucksvoll, welche Bedeutung der Fußball für viele Jüd*innen hat.

Ein besonderer Moment waren die europäischen Makkabi-Sommerspiele 2015. Hauptaustragungsort der Spiele war der Olympiapark in Berlin. Also der Ort, an dem 1936 die olympischen Sommerspiele zu einem Höhepunkt der nationalsozialistischen Propaganda wurden, während jüdischen Sportler*innen die Teilnahme untersagt wurde. 2015 erinnerten sich viele Zuschauer*innen an die alten Bilder des mit unzähligen Hakenkreuzen übersäten Stadions und waren überwältigt davon, jetzt denselben Ort in einem Meer von Davidsternen zu sehen.

Ein englischer Fußballer reiste sterbenskrank an und brach im Stadion zusammen. Meyer besuchte ihn im Krankenhaus und fragte, was um alles in der Welt er tue, in diesem Zustand anzureisen. Der Fußballer antwortete ihm, er habe schon alles gewonnen, weil er diesen Anblick erleben durfte. Für ihn waren die Spiele ein später Beweis für den Sieg über den Nationalsozialismus und das Überleben des Judentums.

Meyer setzte sich auch für die Öffnung von Deutschland ein, sodass heute auch Christinnen, Muslime und viele andere mit dem Davidstern als Logo für Makkabia-Teams aufs Spielfeld gehen.

Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und der darauffolgende starke Anstieg antisemitischer Gewalt in Deutschland zeigten Meyer aber auch, wie gefährdet jüdisches Leben wieder ist. Das hat nicht nur zur Folge, dass Fußballer in Deutschland heute in der Öffentlichkeit auf jüdische Symbole und Makkabi-gebrandete Kleidung verzichten. Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich sein Leben als Jude in Deutschland jetzt anfühle, antwortete Meyer, die Lage sei katastrophal. Er sei Frankfurter durch und durch, aber nach 2023 habe er sich eine Backupoption geschaffen, um notfalls schnell nach Israel auswandern zu können, wenn es zu gefährlich wird. So lange er es aber noch hier aushalte, werde er weiter für ein friedliches Zusammenleben kämpfen.

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